‚Green Weekend‘ statt ‚Black Friday‘: Wie Airpaq dabei mithilft, den Regenwald zu retten

‚Green Weekend‘ statt ‚Black Friday‘: Wie Airpaq dabei mithilft, den Regenwald zu retten

Als Unternehmen, das faire und nachhaltige Rucksäcke herstellt, haben wir ein ‚Green Weekend‘ statt dem üblichen ‚Black Friday‘ veranstaltet und Spenden für ein Aufforstungsprojekt im Regenwald gesammelt. 2.100 Euro sind mit eurer Hilfe zusammengekommen, die wir am 15. Dezember 2020 an die 13 Frauen der Gruppe GTAE (‚Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas‘) übergeben konnten. Eigentlich wollten wir damit nur einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. In Kontakt mit der Menschenrechtsaktivistin Claudelice da Silva Santos, stellvertretend für die Gruppe GTAE (‚Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas‘), erfuhren wir jedoch Schockierendes über die Verbrechen im brasilianischen Amazonas. Davon und über das tolle Projekt der 13 Frauen hinter der Gruppe GTAE möchten wir euch in diesem Blogartikel erzählen.

Mehrere Frauen haöten sich an den Händen und umarmen einen dicken Stamm eines sehr großen Baumes.

Studentinnen der Universität von Pará (©Claudelice da Silva Santos)

Die Idee des ‚Green Weekends‘

Bereits im letzten Jahr konnten wir mit eurer Hilfe 1.000 Euro an das Aufforstungsprojekt #ActforAmazonia des WWF-Deutschland spenden und somit einen Teil zur Rettung des Regenwaldes beitragen. Der aktuelle Klimaschutz-Index 2021 von Germanwatch und des New-Climate-Instituts zeigt, dass Brasilien nach wie vor stark mit illegalen Abholzungen zu kämpfen hat. In einem Artikel der Deutschen Welle sagt Klimaforscher Niklas Höhne, Leiter des New-Climate-Instituts in Köln: „Der Amazonas ist nicht nur für die Treibhausgasemissionen relevant, sondern für das gesamte Weltklima“ (Rueter (2020): Klimaschutz-Index: Wie weit sind die Länder weltweit?). Genau deshalb ist es auch in Zeiten der Corona-Pandemie so wichtig, sich für den brasilianischen Regenwald und somit für die grüne Lunge unserer Erde einzusetzen. „In diesem Jahr unterstützen wir als kleines Unternehmen auch eine kleine Organisation direkt vor Ort und zeigen so, dass man schon mit wenigen Mitteln auf der anderen Seite der Welt viel erreichen kann“, so Adrian Goosses, Co-Founder von Airpaq.

Bürokratische Hürden

Dan Baron Cohen - ein britischer Theater-Regisseur, Kulturtheoretiker und Kunstpädagoge, der schon lange in Brasilien lebt – machte uns auf die unterstützenswerte Gruppe GTAE (‚Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas‘) aufmerksam. Cohen arbeitet mit seinem kollektiven Gemeinschaftsprojekt ‚Rios de Encontro‘ seit einiger Zeit am kulturellen Erhalt und Schutz der indigenen Bevölkerung im Amazonas. Er schaffte die Verbindung zu Claudelice da Silva Santos, die international als Verteidigerin der ökologischen Gerechtigkeit und der Menschenrechte in Brasilien auftritt. Mit seiner Hilfe fanden wir einen Weg, die Spende gezielt der Gruppe GTAE zukommen zu lassen, denn Geldspenden sind in Deutschland mit einigen bürokratischen Hürden verbunden. Damit steuerrechtlich alles in Ordnung geht, müssen viele Voraussetzungen erfüllt werden. In einem Zoom-Meeting besprachen wir von Airpaq uns mit Dan Baron Cohen und Claudelice da Silva Santos.

Mehrere Personen sind auf einem Bildschirm zu sehen, sie nehmen an einer Video-Konferenz teil.

Zoom-Meeting zwischen Claudelice da Silva Santos, Dan Baron Cohen und Airpaq (©Airpaq)

Von Dan Baron Cohen wussten wir nur, dass es sich bei der Gruppe GTAE um ein Aufforstungsprojekt von mehreren Frauen im brasilianischen Amazonas handelte. Per Chat mit Claudelice da Silva Santos, als Ansprechpartnerin für uns und stellvertretend für die Gruppe GTAE, erfuhren wir dann die Hintergründe zum Projekt und ihre eigene Geschichte. Über mehrere Stunden und immer parallel mit einem Übersetzungsprogramm erzählte sie uns, wie schlimm es um den Bestand des Regenwaldes und die Menschenrechte derer steht, die sich dafür einsetzen. Auch zu sehen in der Dokumentation des Vice-Magazines: Vice (2010): Deforestation and Slavery in the Amazon.

Die ‚Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas‘ (GTAE)

Die ‚Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas‘ wurde im Jahr 2006 mit der Unterstützung der 2011 ermordeten Umweltschützer José Claudio und Maria do Espírito Santo gegründet. Sie befindet sich in der extraktivisten-Siedlung Praialta Piranheira in der Gemeinde Nova Ipixuna im Bundesstaat Pará. Die GTAE besteht aus insgesamt 13 Frauen, die auf jeweils einer eigenen Waldparzelle ehemalige Weideflächen mit Bienen aufforsten. So wollen sie die Fläche mit einheimischen Baumarten vergrößern und die Bienenpopulation erhöhen. Die meist durch Brandrodung entstandenen Weideflächen sind nach wenigen Jahren auch für das Vieh nicht mehr nützlich und liegen brach. Mithilfe der Bienenzucht können langfristig wieder einheimische Pflanzen gedeihen und der Regenwald somit aufgeforstet werden.

Mehrere Frauen und Männer arbeiten mit landwirtschaftlichen Geräten auf einem Feld, im Hintergrund sind Palmen zu sehen.
Frauen von der GTAE beim Arbeiten auf einer ehemaligen Weidefläche (©Claudelice da Silva Santos)

„Sie leben und ernten nach extraktivistischem Prinzip, das heißt, der Natur nachhaltig Erträge entnehmen, ohne sie räuberisch zu degradieren - nur für das Überleben der Familie“, so Claudelice da Silva Santos. Die wichtigsten Pflanzen sind dabei die Paranuss, die Andiroba (eine Pflanzenart aus der Familie der Mahagonigewächse) und Cupuaçu (großblütiger Kakao). Daraus stellen die Frauen verschiedene Naturprodukte wie Honig, Öle, Kosmetika oder Therapeutika her, die sie auf dem lokalen Markt verkaufen, um sich ihr Überleben zu sichern. Mit dem von Airpaq gespendeten Geld können sie sich eine bessere Ausstattung leisten, die sie dringend benötigen.

Mehrere Personen in Imker-Anzügen sehen sich die Waben eines Bienenstocks an.

Frauen von der GTAE bei der Bienenzucht (©Claudelice da Silva Santos)

Über Claudelice da Silva Santos

Claudelice da Silva Santos kommt aus der gleichen Gegend wie die Gruppe GTAE. Nach der Ermordung ihres Bruders José Claudio Ribeiro dos Santos und seiner Frau Maria do Espírito Santo im Jahr 2011 wurde sie eine anerkannte Menschenrechtsverteidigerin. Claudelice da Silva Santos kämpfte an der Seite ihres Bruders und ihrer Schwägerin für das Recht auf Zugang zu Land und gegen Menschenrechtsverletzungen durch Flächeninanspruchnahme, Abholzung und prangerte Verbrechen gegen die Umwelt an. Aufgrund ihrer Menschenrechtsaktivitäten war sie einer Reihe von Drohungen ausgesetzt, sodass sie sich in ihrer Heimat nicht mehr sicher fühlt. Claudelice da Silva Santos studiert derzeit Jura, um nicht nur die GTAE, sondern auch andere Verteidiger der Umwelt in Brasilien zu unterstützen und Prozesse über Menschen- und Umweltrechte zu führen. Sie sagt, ihr Kampf umfasse nun "das Recht auf Land und auf Leben". Das Europäische Parlament würdigte ihr Engagement 2019 mit der Nominierung für den ‚Sacharow-Preis‘ in der Kategorie ‚geistige Freiheit‘.

Vor einem Baum in einem Wald steht eine Frau im weißen Shirt und strahlt in die Kamera.

Claudelice da Silva Santos (©Claudelice da Silva Santos)

Die Ermordung der Umweltschützer José Claudio und Maria do Espírito Santo

Im Mai 2011 kamen die Gründungsmitglieder José Claudio und Maria do Espírito Santo der GTAE durch einen Auftragsmord ums Leben. Auf dem Nachhauseweg zu ihrem kleinen Bauernhof in Nova Ipixuna wurden sie abgefangen und getötet. Da sie immer wieder Drohungen von der Holzfäller-Industrie erhielten, rechneten sie schon seit einigen Jahren damit, jederzeit ermordet werden zu können. Ihre Verbundenheit mit dem brasilianischen Regenwald – ihrem Zuhause – ließ sie jedoch nicht aufgeben und so engagierten sie sich weiter für den Umweltschutz. Sie hielten landesweit Vorträge, organisierten Konferenzen und lauerten illegalen Holzfällern auf, um mit Fotografien Beweise zu sammeln.

Ein Abbild eines Zeitungsartikels mit zwei Bildern in der Mitte.

Artikel in der Zeitung Correio de Carajás über die Spende von Airpaq an GTAE (©Correio de Carajás)

Dieser Vorfall ist leider kein Einzelfall, denn unaufgeklärte Morde an Umweltaktivisten wie José Claudio und Maria do Espírito Santo gehören in der Amazonas-Region mittlerweile zum Alltag. So wurden seit Brasiliens Demokratisierung im Jahre 1985 mehr als 800 Umweltaktivist*innen getötet. Mit der Ermordung des Ehepaares ging die GTAE durch eine Phase des Verlustes, da ihre wichtigsten Unterstützer brutal ermordet wurden. Doch 2012 nahm die GTAE, ermutigt von der Schwester von Maria do Espírito Santo, ihre bedeutende Arbeit wieder auf. Heutzutage wird die Arbeit der GTAE zu 100 Prozent von Bäuerinnen und Extraktivistinnen organisiert. Der Betrag von 2.100 Euro ist nicht besonders viel, kann aber schon viel bewirken. Wie auch die örtliche Presse berichtete: Correio de Carajás (2020): Faíscas de Esperança: Alemães ajudam projeto agroextrativista em Nova Ipixuna.

 

Airpaqs Fazit

Als wir uns dazu entschlossen, an eine kleine Organisation direkt vor Ort zu spenden, haben wir die Geschichte dahinter nicht erwartet. Wir sind tief beeindruckt, mit welchem Einsatz die Menschen sich für den Schutz des Regenwaldes einsetzen und dabei solchen Gefahren und Unsicherheiten ausgesetzt sind. Deshalb ist es so wichtig, die Menschen zu unterstützen, die den bedrohten Regenwald schützen wollen. Der Amazonas-Regenwald ist nicht nur der größte Wald der Erde, sondern kann auch eine riesige Menge Treibhausgase (CO2) aufnehmen und verwerten. Er senkt somit signifikant den Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphäre und steht zusätzlich für eine der weltweit größten Biodiversitäten. Die illegalen Abholzungen haben nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Tiere und die angrenzende Bevölkerung, sondern auch auf unser Klima. Wir bleiben weiterhin mit Claudelice da Silva Santos in Kontakt und schließen weitere Projekte nicht aus. Natürlich halten wir euch an dieser Stelle auf dem Laufenden.

 

Autoren: Maya Kraatz & Marie Kalle


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