Cradle to Cradle: Die lange Reise von Bastis ‚Airpaq‘

Gelber Airbagstoff mit verschiedenen Materialien wie Sitzgurt und Gurtschloss liegt gestapelt auf einem weißen Tisch.

Basti aus Köln ist von Anfang an erfolgreicher Unterstützer von Airpaq. Als wir 2017 über eine Kickstarter-Kampagne die Produktion unserer Rucksäcke finanziert haben, war er dabei und kaufte einen der ersten ‚Airpaqs‘. Seitdem hat sein Rucksack viele Reisen mitgemacht und Basti gute Dienste erwiesen. Obwohl er noch einwandfrei funktioniert, hätte Basti gerne einen neuen Reisebegleiter und dachte dabei an einen ‚Rolltop Biq‘. Er findet seinen alten ‚Airpaq‘ zu schade zum Wegwerfen und gibt ihn deshalb an Airpaq zurück. (Lese hier nach, was du machen musst, um deinen Rucksack zurückzugeben.)

Ein jüngerer Mann steht mit dem Rücken zur Kamera und blickt auf eine Küstenlandschaft am Meer. Auf dem Rücken trägt er einen gelben Rucksack.Basti mit seinem alten 'Airpaq' auf einen seiner Reisen (©Airpaq)

Regelmäßig sammeln wir auf Schrottplätzen in Köln und Umgebung Sitzgurte und Gurtschnallen aus alten Autos. Nach einer lohnenswerten Menge schicken wir diese dann zu unserer Produktionsstätte am EU-Standort Timișoara in Rumänien. Bastis zurückgegebener ‚Airpaq‘ wird zusammen mit den gesammelten Gurtschnallen und Sitzgurten nach Rumänien verschickt.

Ein großer Sack voller Gurtschlösser und Sitzgurte. Darauf liegt ein gelber Rucksack.Im Umfeld einer Näherei liegt ein gelber Rucksack neben einer Nähmaschine.
Oberes Bild: Rucksack kommt mit gesammeltem Material in Näherei an,
Unteres Bild: Rucksack liegt bereit zur Bearbeitung (©Airpaq)

In Timișoara angekommen, zerlegen die Näherinnen vor Ort den ‚Airpaq‘ in seine Einzelteile: Sie trennen die Sitzgurte, die Versteller der Träger und das Gurtschloss ab, entnehmen die Magneten aus dem Rolltop, den Reflektor am Gurtschloss, lösen das Rückenteil und schneiden den Airbagstoff heraus. Nun wird alles erstmal auf Schäden geprüft und gereinigt.

Eine Frau in rotem Arbeitskittel bearbeitet einen gelben Rucksack mit einer Schere.Zu sehen sind zwei Hände, die einen gelben Rucksack mit blauem Innenfutter auftrennen, um kleine Magnete herauszuholen.

Mariuca entfernt die einzelnen Komponenten (©Airpaq)

Und das sind nun alle Bestandteile aus Bastis altem ‚Airpaq‘: Das Gurtschloss und die Versteller an den Trägern können für die Produktion eines neuen Rucksacks, wie den ‚Rolltop’ oder ‚Rolltop Biq‘ wiederverwertet werden. Auch die herausgetrennten Magneten finden im Rolltop eines neu produzierten Rucksacks Platz.

Auf einem weißen Tisch liegen verschiedene Teile eines Rucksacks nebeneinander aufgereiht: unter anderem ein Gurtschloss, Sitzgurte und Airbagstoffe
Die einzelnen Bestandteile eines Airpaqs (©Airpaq)

Damit aus den herausgetrennten Airbagstoffen unsere kleinen Produkte, wie die Bauchtasche ‚Hip Baq‘ oder unsere Fliegen mit passendem Einstecktuch werden können, wird der Stoff in die entsprechend benötigten Größen mit dem Laser geschnitten. Aus Bastis ‚Airpaq‘ fertigen wir unter anderem eine gelbe Fliege und können hier sehen, wie der Stoff fein säuberlich von Florin zugeschnitten wird.

Ein Mann steht an einem Schneidetisch, auf dem ein gelber Airbagstoff liegt.Gelber Airbgstoff liegt auf einem weißen Tisch und wird mit einem Laser zugeschnitten.Florin schneidet die Stoffe zu (©Airpaq)
Unsere Nähleiterin Mariuca, die ursprünglich die Idee für die Herren-Fliegen als Überraschung für unsere Weihnachtsfeier in Timișoara hatte, näht die mit dem Laser zugeschnitten Stoffteile so zu, dass man die spätere Fliege schon erahnen kann.Eine Frau näht kleine gelbe Airbagstoffe mit der Nähmaschine zu.Ein gelber Airbagstoff liegt unter der Nadel einer Nähmaschine und wird bearbeitet.Mariuca näht die zugeschnittenen Airbagstoffe zu einer Fliege (©Airbaq)

Voilá, so sieht sie aus, unsere upgecycelte Fliege aus Bastis altem ‚Airpaq‘. Die Materialien von seinem alten Rucksack wurden sinnvoll weiterverwendet und sind zurück in den technischen Kreislauf gelangt, wodurch sie eine weitere Lebensdauer erhalten. Wieder ein Stück weniger Müll, der entstanden ist.

Die fertige gelbe Fliege mit passendem Einstecktuch liegt in einer Pappschachtel.Eine Frau sitzt vor einer Nähmaschine und hält in den Händen eine Pappschachtel mit einer gelben Fliege darin.Mariuca mit der fertig genähten Fliege in passender Box und Einstecktuch (©Airpaq)

 

Was bedeutet „Cradle to Cradle“ (C2C)?

Wörtlich übersetzt bedeutet „C2C“ „Von der Wiege zur Wiege“ und meint die „Vision eines Wirtschaftssystems ohne Abfall“. Ganz im Gegenteil zu der vorhandenen Wegwerfgesellschaft, die sich eher mit „Von der Wiege zur Bahre“ umschreiben lässt. Leider wird nämlich der Großteil unserer Konsumgüter nach wie vor produziert, genutzt und landet am Ende auf dem Müll – die Ressourcen gehen verloren.

Chemiker Michael Braungart und Architekt William McDonough entwarfen deshalb vor rund 20 Jahren die Idee zu einer „perfekten Kreislaufwirtschaft“: Rohstoffe sollen nach ihrer Benutzung ohne Rückstände zu neuen Gütern verarbeitet werden. Am besten sogar biologisch abgebaut und als „Nährstoffe“ wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Umweltschädliche Stoffe und Verbundstoffe, die sich nicht recyceln lassen, sollten beim Produktdesign direkt ausgeschlossen und die notwendige Energie für Produktion und „Re-Design“ mit Hilfe erneuerbarer Energien aufgebracht werden.

Das „ökoeffektive“ Konzept versteht Überproduktion und Verschwendung nicht als Umweltproblem, wenn die „stofflichen Kreisläufe“ berücksichtigt würden. Kritiker bemängeln den Aufruf zur Verschwendung und die fehlende Umsetzbarkeit im großen Stil, denn um vollständig abfall- und schadstofffrei zu wirtschaften, sei ein ganz neues Wirtschaftssystem notwendig. Und solange die Mehrheit des weltweiten Energiebedarfs noch aus fossilen Quellen gedeckt würde, hätte Energiesparen und damit auch das Vermeiden unnötiger Produktionen oberste Priorität.

Wir von Airpaq verwenden für unsere Produktion Ressourcen, die ansonsten auf dem Müll landen und stellen daraus Neues her (Lese hier mehr zu unserer Produktion und unseren verwendeten Ressourcen). Unser gesamtes Konzept beruht auf dem Prozess des Upcyclings und damit entsprechen wir zumindest einem Teil des „Cradle to Cradle“-Konzepts. Durch diese Art der Abfallverwertung werden kostbare Ressourcen geschont. Wir finden, es ist besser einen Teil des C2C-Konzepts umzusetzen, also überhaupt nichts zu versuchen. Auch bei unserem eigenen produzierten Müll möchten wir diesem Konzept treu bleiben und nehmen deshalb gebrauchte Rucksäcke zurück. Bevor sie weggeworfen werden, verwerten wir die einzelnen Komponenten und schenken ihnen eine zweite Lebensdauer. So wie das nun mit Bastis altem Airpaq geschehen ist.


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